boo - Kalt war das Wetter am Hittnauer Schlosshügel, doch den Zuschauern des Hittnauer Radquers wurde es bald warm ums Herz. Dies schon am Vormittag bei U19, Amateure und Masters, die ein Rennen mit viel Spannung boten. Und ganz besonders bei der Elite, wo Schweizermeister Lars Forster den Rennverlauf mit einer offensiven Fahrweise mitprägte.

Die neue Streckenführung am altbekannten Schlosshügel sollte vor allem für die Zuschauer ein Plus bieten: Die Rennstrecke ist komplett überblickbar, man ist also jederzeit auf der Höhe des Geschehens. Wie sich bei den Wettkämpfen zeigte, sorgt der neue Parcours auch für noch spannendere Rennen. Die physisch und technisch anspruchsvolle Strecke ist selektiv, bietet mit vielen kürzeren Steigungen und Richtungswechseln Gelegenheiten für Attacken, aber auch zum Schliessen von entstandenen Löchern. So blieben die Rennen bis zum Schluss spannend.

Eindrückliche Demonstration von van der Poel

Er war zwar nicht der Top-Favorit, zu den Siegesanwärtern gehörte er aber zweifellos, und er drückte dem Rennen seinen Stempel auf: Gegen David van der Poel (Ned) war in der Schlussphase des Rennens kein Kraut gewachsen. Schweizermeister Lars Forster zeigte einen hervorragenden Auftritt, der mit Rang 5 belohnt wurde.

Elf Runden dauerte das Rennen, doch bereits der Start war explosiv, und schon bald bildete sich eine Sechser-Spitzengruppe, der neben dem Favoriten Quinten Hermans (Bel) und dem nachmaligen Sieger David van der Poel auch Schweizermeister Lars Forster angehörte. Ende der zweiten Runde zeigte sich Forster gar kurzzeitig an der Spitze des Rennens, büsste für diesen Effort aber im Teer-Aufstieg der nächsten Runde, wo es ihm richtiggehend «den Stecker zog». Das Rennen für Forster schien gelaufen.

Vorne drehte ein Trio mit van der Poel, Hermans und Nicolas Cleppe (Bel) seine Runden, während Forster in einer Verfolgergruppe Unterschlupf fand. Der Schweizermeister fand jedoch seinen Rhythmus wieder, liess in Runde 7 seine Mitstreiter stehen und schloss solo wieder zur Spitzengruppe auf. Dabei hatte er in weniger als einer Runde 30 Sekunden wettgemacht – und offensichtlich etwas zu viele Körner verbraucht. Der nächsten Tempoverschärfung konnte Forster nichts mehr entgegensetzen und drehte fortan auf Rang 4 seine Runden allein.

Ganz vorne hatte van der Poel das Spitzentrio inzwischen auch gesprengt, und so schien der Zieleinlauf eine Runde vor Schluss eigentlich bereits klar: van der Poel – Hermans – Cleppe – Forster – und der Deutsche Meister Marcel Meisen, der von hinten Dampf machte. Zu viel Dampf für Forster: Im allerletzten Aufstieg wurde er von Meisen noch überspurtet und musste mit Rang 5 vorlieb nehmen. Und gleich hinter ihm kam eine Legende des Hittnauer Radcross ins Ziel: Francis Mouray (Fra) war der erste ausländische Fahrer gewesen, der das Hittnauer Radquer gewinnen konnte, und hatte jahrelang mit konstanten Spitzenklassierungen brilliert. Es war sein letzter Auftritt in Hittnau; Ende Jahr tritt er vom Wettkampfsport zurück.

Auch etliche der übrigen Schweizer zeigten mehr als respektable Leistungen. Marcel Wildhaber (8.), Simon Zahner (9.), Severin Sägesser (10.) und Nicola Rohrbach (11.) bildeten eine hohe Schweizer Leistungsdichte an diesem Tag eindrücklich ab.

Triologie von Sven Fürst – Boom in der Jedermann-Kategorie

Begonnen hatte der Renntag mit dem Cross für alle, wo Sven Fürst seinen dritten unangefochtenen Sieg ins Trockene brachte. Raphael Knecht und Yannick Rubli vervollständigten das Podest. Bei den Frauen konnte Rahel Mischler zuoberst vom Treppchen winken, für die Baumerin ist Hittnau grad vor der Haustür. Flankiert wurde sie von der Deutschen Manuela Werkle und Melanie Pavioni.

Die Jedermann-Kategorie zeigt eindrücklich den Aufschwung des Radcross in den letzten Jahren. Vor noch nicht allzu langer Zeit eine Randerscheinung im Tagesprogramm, erreicht diese Kategorie Jahr für Jahr Teilnehmerrekorde. 96 Hobbyfahrer und auch –fahrerinnen standen in Hittnau am Start. Diese Zahl wird in keiner anderen Kategorie auch nur annähernd erreicht.

Neben den Erwachsenenkategorien geniesst an der EKZ CrossTour der Nachwuchs einen hohen Stellenwert. Der Veloclub Hittnau ehrt in der Kategorie Kids 2 (Acht- bis Zehnjährige) jeweils das bestplatzierte Mädchen und den bestplatzierten Jungen aus Hittnau. Diese Ehre kam Janis Bettschen und Larissa Murer zu.